Führung & Informationsweitergabe – Teil 1: Wenn Rückfragen zum Lernimpuls werden
Wie ein kleiner Moment im Alltag zeigt, dass Führung mit Zuhören beginnt – und warum wir unser Schulungskonzept gemeinsam mit dem Team neu denken.
Der Fall:
Ein Anruf aus dem Urlaub – und ein Aha-Moment
Manchmal zeigt sich Führung dort, wo man sie gar nicht erwartet: im Urlaub.
Während meiner Abwesenheit erhielt ich mehrere Anrufe meines Teams. Es ging nicht um große Krisen, sondern um etwas scheinbar Alltägliches – den Umgang mit Expresslieferungen und deren Dokumentation und Anmeldeprozess.
Die Anrufe selbst waren kein Problem. Doch sie machten mir deutlich:
Irgendetwas in unseren Abläufen war nicht klar genug, um sicher ohne Rücksprache ausgeführt zu werden.
Und genau das ist ein Signal, das ich als Führungskraft ernst nehme.
Denn wenn Rückfragen entstehen, geht es selten nur um fehlendes Wissen.
Meist liegt die Ursache tiefer – in der Art, wie Wissen vermittelt, dokumentiert und im Team geteilt wird.
Vom Reflex zur Reflexion
Mein erster Impuls war: Wir müssen das Thema nachschulen.
Aber ich habe mich bewusst gebremst.
Denn einfach eine Schulung anzusetzen, ohne das „Warum“ zu verstehen, wäre nur Symptombehandlung.
Stattdessen habe ich mir vorgenommen, das Ganze als Lernchance zu betrachten – nicht nur für mein Team, sondern auch für mich selbst.
„Führung bedeutet, innezuhalten, bevor man reagiert.“
Ich will verstehen, wo genau der Informationsfluss gestockt hat – und was wir tun können, um daraus eine nachhaltige Verbesserung zu machen.
Der Plan: Erst reden, dann handeln
Wenn ich zurück bin, möchte ich das Thema gemeinsam mit meinem Team aufarbeiten.
Nicht in Form einer klassischen Schulung, sondern als Gespräch.
Ich plane, einen moderierten Austausch zu führen, bei dem wir gemeinsam den Fall analysieren.
Dabei soll es um folgende Fragen gehen:
- Wo genau war der Ablauf unklar?
- Welche Informationen waren schwer zugänglich oder missverständlich?
- Wie erleben die Teammitglieder die Dokumentation im Alltag?
Mein Ziel ist, das Team aktiv in die Ursachenanalyse und Lösungsfindung einzubinden.
Denn wer Teil der Lösung ist, lernt nachhaltiger als jemand, dem die Lösung vorgegeben wird.
Gemeinsam Maßnahmen entwickeln
Auf Basis dieses Gesprächs wollen wir anschließend gemeinsam Maßnahmen planen.
Dazu gehören:
- Gezielte Schulungseinheiten, die wir zusammen definieren – mit Schwerpunkt auf praktischer Anwendung statt Theorie.
- Überarbeitung der internen Prozessdokumentation, um sie klarer, kompakter und praxisnäher zu gestalten.
- Ergänzung von InPoint-Lessons oder Mini-Guides, die im Alltag schnell abrufbar sind.
- Ein verbindlicher Feedback-Kreislauf, damit Prozesswissen regelmäßig überprüft und verbessert werden kann.
Ich sehe darin eine doppelte Chance: Wir verbessern nicht nur den Versandprozess, sondern auch die Art, wie wir als Team lernen und Informationen weitergeben.
Warum ich diesen Weg wähle
Führung bedeutet nicht, alles zu wissen – sondern Wissen in Bewegung zu bringen.
Wenn Mitarbeitende Fragen stellen, zeigt das nicht Schwäche, sondern Engagement.
Unsere Aufgabe als Führungskräfte ist es, diese Energie richtig zu nutzen.
Anstatt auf Rückfragen mit sofortigen Lösungen zu reagieren, lohnt es sich, das Gespräch zu suchen.
Denn dort, wo Menschen gemeinsam über Probleme sprechen, entsteht echtes Lernen.
„Wirkliche Führung zeigt sich nicht in Antworten, sondern in Fragen, die Entwicklung anstoßen.“
Ich möchte, dass mein Team versteht, warum Dinge so laufen, wie sie laufen – nicht nur wie.
Dafür braucht es Zeit, Vertrauen und den Mut, den eigenen Führungsstil immer wieder zu hinterfragen.
Was als Nächstes passiert
In den kommenden Wochen werden wir:
- Den Fall gemeinsam besprechen
- Maßnahmen ableiten
- Die Prozessdokumentation Schritt für Schritt anpassen
- Und schließlich eine Schulung durchführen, die wirklich an der Praxis orientiert ist
Ich bin gespannt, wie dieser Prozess das Team und unsere Abläufe verändern wird.
Vor allem aber interessiert mich: Wie wirkt sich das auf unser Verständnis von Führung und Informationsweitergabe aus?
Das wird Thema des zweiten Teils dieses Blogs sein.
Mein Zwischenfazit
- Gute Führung plant nicht nur Inhalte, sondern schafft Lernräume.
- Rückfragen sind kein Zeichen mangelnder Kompetenz, sondern ein Hinweis auf Kommunikationslücken.
- Schulungen wirken nur dann, wenn sie aus der Realität des Teams entstehen.
- Beteiligung fördert Verantwortung – und macht Wissen lebendig.
Vorschau auf Teil 2:
In Teil 2 werde ich berichten, wie wir die Maßnahmen umgesetzt haben, wie sich unser Versandprozess verändert hat – und was wir als Team über Kommunikation, Verantwortung und Lernen gelernt haben.
Beraterischer Impuls
In vielen Unternehmen entstehen Schulungsmaßnahmen als Reaktion auf Fehler.
Dabei liegt der größte Hebel im gemeinsamen Verstehen der Ursachen.
Wenn Sie als Führungskraft ähnliche Situationen erleben, lohnt es sich, den Prozess einmal umzudrehen:
Erst zuhören, dann planen – und die Menschen, die im Prozess arbeiten, in die Gestaltung miteinbeziehen.
„Führung wächst dort, wo man gemeinsam versteht, statt allein entscheidet.“
– Bernhard Ressel
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